Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Lübeck

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Inhalt: Neubau der Entmagnetisierungs-Behandlungsanlage der Bundeswehr in Kiel-Friedrichsort

Entmagnetisierungs-Behandlungsanlage

Das Wasser- und Schifffahrtsamt Lübeck realisiert für die Wehrtechnische Dienststelle für Schiffe und Marinewaffen, Maritime Technologie und Forschung (WTD 71) der Bundeswehr in Kiel-Friedrichsort den Neubau der Entmagnetisierungs-Behandlungsanlage (EM-Behandlungsanlage).

Die EM-Behandlungsanlage dient der Deutschen Marine und Königlich Niederländischen Marine zur magnetischen Vermessung und Behandlung ihrer Marineeinheiten. Ziel ist es, Schiffe magnetisch „unsichtbar“ zu machen und sie vor Seeminen mit magnetisch arbeitenden Zündern zu schützen.

Mit dem 1. Rammschlag beginnt Anfang 2016 die bauliche Umsetzung. Beauftragt ist die Arbeitsgemeinschaft der EM-Behandlungsanlage, bestehend aus den Firmen Bilfinger Construction GmbH, August Prien Bauunternehmung GmbH & Co. KG und Tiefbau GmbH Unterweser.

Neubau der Entmagnetisierungs-Behandlungsanlage

Der Neubau der EM-Behandlungsanlage ist erforderlich, da ferromagnetische Schiffe in der rückzubauenden Altanlage aufgrund höherer Anforderungen nicht mehr vermessen werden können. Zukünftig können Schiffseinheiten mit einer Länge von bis zu 180 m, 25 m Breite und 9 m Tiefgang die EM-Behandlungsanlage nutzen.

Die neue EM-Behandlungsanlage wird die äußeren Abmessungen von 240 m x 80 m haben. Für die Gründung sind 567 Fertigbetonpfähle hergestellt. Insgesamt sind für den Überbau weitere ca. 200 Einzelelemente mit einer Länge von ca. 15 m und einer Breite von ca. 3 m zusammenzusetzen

Die Konstruktion wird Trägergerüst der äußerst anspruchsvollen elektrotechnischen Vermessungs- und Behandlungsanlage. Zur Sicherung des hohen elektrischen Bedarfs während der Nutzung werden drei dieselelektrische Gleichstromerzeuger errichtet.

Die voraussichtlichen Kosten werden 63 Mio. Euro betragen. Die Fertigstellung der Anlage wird Ende 2021 abgeschlossen sein.

Amagnetische Bauweise

Die EM-Behandlungsanlage selbst muss amagnetisch sein. Für die Vermessung und Behandlung der Schiffe sind Störungen durch magnetische Einflüsse auszuschließen. Daher werden grundsätzlich zur Erstellung der EM-Behandlungsanlage nur amagnetische Materialien verwendet.

Herstellung eines kunstoffbewehrten Fertigbetonpfahles

Kunststoffbewehrung eines Pfahles

Die Gründungspfähle werden auf der Baustelle hergestellt und sind aus kunststoffbewehrtem Beton. Das Trägergerüst der Messanlage besteht aus einer kombinierten Holz-Kunststoffkonstruktion.

Die Materialien der Gründungspfähle und Trägersysteme sowie die erforderlichen Verbindungsmittel werden vor dem Einbau einer magnetischen Vermessung unterzogen.

Räumung von Kampfmittel und magnetischen Anomalien

Neben der zu gewährleistenden Störungsfreiheit der zu errichtenden Anlage müssen auch bestehende magnetische Störfaktoren des Meeresgrundes ausgeschlossen werden. Hierfür wurde eine umfangreiche Kampfmittelsuche und -räumung im Bereich der neuen EM-Behandlungsanlage durchgeführt.

Kampfmittelsuche vom Ponton aus

Kampfmittelfunde

Um weitere magnetische Gegenstände aufzufinden, wurde mittels Magnetsondenverfahren der Meeresgrund abgesucht. Ende 2015 konnte die aufwendige Räumung des Meeresbodens abgeschlossen werden. Es wurde eine unerwartet hohe Anzahl an Kampfmitteln und magnetischen Anomalien gefunden und geborgen.

Technische Eckdaten

Anlagenabmessung:
240 m x 80 m für Schiffseinheiten  von 180 m Länge, 25 m Breite, 9 m Tiefgang
Bauzeit:
Ende 2012 bis Ende 2021
Baukosten:
ca. 63 Mio. EUR
Gründung:
567 kunstoffbewehrte Betonfertigpfähle mit einer Gesamtlänge von 7.990 m
Überbau:
567 Joche aus Bongossi und 166 Streckbalkenelemente aus Basralocus
Sonden:
101 Sondenrohre mit einer Gesamtlänge von 1.133 m
Festmacher:
14 Großbohrpfähle und 14 Festmachertonnen
Dalben:
26 Rammpfähle aus Basralocus
Kampfmittel:
Side Scan Messung von 85.000 m² und Magnetometermessung von 120.000 m²
1000 Anomalien und 30 t Kampfmittel beräumt

Erster Rammschlag am 8. Februar 2016

Der symbolische Druck auf den roten Knopf.

(v.l.) Wolfgang Schlichting (Wehrtechnischen Dienststelle), Henning Dierken (Wasser- und Schifffahrtsamt Lübeck), Dr. Ulf Kämpfer (Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Kiel) und Christoph Wellendorf (Bilfinger Marine & Offshore Systems GmbH).